Bernhardiner – Charakter, Erziehung & Steckbrief

Der Bernhardiner ist untrennbar mit den Schweizer Alpen verbunden. Auf dem Grossen Sankt Bernhard Pass züchteten Mönche ab dem 17. Jahrhundert diese Hunde als Rettungshunde, die verirrte Reisende im Schnee aufspürten. Der berühmteste von ihnen, Barry, soll über 40 Menschenleben gerettet haben. Heute ist der Bernhardiner vor allem als gelassener Familienhund bekannt.

Charakter und Wesen

Der Bernhardiner ist ein Hund, der Ruhe ausstrahlt. Trotz seiner enormen Größe ist er sanft, friedlich und erstaunlich feinfühlig. Typisch für die Rasse:

  • Geduld: Im Umgang mit Kindern zeigt der Bernhardiner eine bemerkenswerte Gelassenheit und Toleranz
  • Gutmütigkeit: Aggression ist ihm weitgehend fremd – er begegnet Menschen und Tieren freundlich
  • Anhänglichkeit: Er will in der Nähe seiner Familie sein und leidet unter Isolation
  • Wachsamkeit: Sein imposantes Erscheinungsbild wirkt abschreckend, obwohl er selten tatsächlich verteidigt

Erziehung

Der Bernhardiner ist lernwillig und kooperativ, aber seine schiere Größe macht eine frühe und konsequente Erziehung unverzichtbar.

Früh anfangen

Ein 8 Wochen alter Bernhardiner-Welpe wiegt bereits 8–10 kg und wächst rasant. Was heute noch niedlich ist (Anspringen, auf die Couch klettern), wird bei 70+ kg zum Problem. Trainiere Grundgehorsam ab dem ersten Tag.

Ruhig und konsequent

Der Bernhardiner reagiert sensibel auf Stimmungen. Hektische oder laute Korrekturen verunsichern ihn. Positive Verstärkung, klare Regeln und ein ruhiger Tonfall sind der Schlüssel. Seine Kooperationsbereitschaft ist groß – nutze sie.

Typische Herausforderungen

  • Leinenführigkeit: Ein 70-kg-Hund, der an der Leine zieht, ist nicht mehr zu halten. Leinentraining hat höchste Priorität
  • Hitzeempfindlichkeit: Bei warmem Wetter verweigert der Bernhardiner oft die Mitarbeit – trainiere morgens oder abends
  • Langsames Tempo: Er lernt nicht langsam, braucht aber Zeit zum Reagieren. Gib ihm ein paar Sekunden mehr als einem kleineren Hund

Gesundheit

Die kurze Lebenserwartung des Bernhardiners hängt mit seiner Größe zusammen. Einige Erkrankungen kommen gehäuft vor:

  • Hüftdysplasie (HD) und Ellbogendysplasie (ED): Bei großen Rassen Standard – nur von getesteten Elterntieren kaufen
  • Magendrehung (Torsion): Lebensbedrohlicher Notfall, der bei großen, tiefbrüstigen Rassen häufiger auftritt. Mehrere kleine Mahlzeiten und Ruhe nach dem Fressen senken das Risiko
  • Herzerkrankungen: Dilatative Kardiomyopathie kommt beim Bernhardiner überdurchschnittlich vor
  • Ektropium: Das Auswärtsrollen des unteren Augenlids verursacht Reizungen und Entzündungen

Für wen eignet sich der Bernhardiner?

Der Bernhardiner passt zu ruhigen Familien oder Paaren mit Platz – ein Haus mit Garten ist fast Pflicht. Du brauchst kein sportliches Programm, aber die Bereitschaft, einen 60–80 kg schweren Hund zu pflegen, zu füttern und tierärztlich zu versorgen. Wenn Du einen gelassenen, treuen Begleiter suchst, der das Zuhause mit stiller Präsenz füllt, ist der Bernhardiner genau richtig.

Häufige Fragen

Ist der Bernhardiner ein guter Familienhund?

Ja, einer der besten. Bernhardiner sind geduldig, sanftmütig und besonders tolerant gegenüber Kindern. Wichtig ist aber, dass kleine Kinder den Hund nicht als Klettergerüst nutzen – trotz seiner Gelassenheit bleibt er ein Lebewesen mit Grenzen.

Wie viel Bewegung braucht ein Bernhardiner?

Moderate Bewegung reicht: 1 bis 1,5 Stunden tägliche Spaziergänge genügen. Übermäßige Belastung, besonders bei Hitze, schadet dem schweren Hund. Joggen oder Radfahren sind für den Bernhardiner ungeeignet.

Sabbert der Bernhardiner wirklich so viel?

Ja. Die losen Lefzen sind rassetypisch und führen zu teils erheblichem Speichelfluss – besonders beim Fressen, Trinken und bei Aufregung. Sabberhandtücher gehören zur Grundausstattung.